RISE with SAP vs. On-Premise: Was passt zum Mittelstand?
Wenn Sie als CIO eines mittelständischen Unternehmens eine ERP-Transformation planen, steht diese Entscheidung am Anfang: Cloud oder On-Premise? SAP hat mit "RISE with SAP" sein Cloud-Angebot aggressiv am Markt positioniert. Aber heiÃt das automatisch, dass die Cloud für Sie die richtige Wahl ist?
Die Antwort lautet: Es kommt auf Ihre Situation an. Dieser Artikel zeigt Ihnen die Vor- und Nachteile beider Ansätze, TCO-Analysen und die Kriterien, nach denen Sie entscheiden sollten.
Was ist RISE with SAP?
RISE with SAP ist SAPs aktuelles Cloud-Angebot. Das Paket umfasst:
- SAP S/4HANA Cloud (Public Cloud): Die aktuelle Version von S/4HANA gehostet auf SAP-Infrastruktur (AWS, Microsoft Azure, Google Cloud)
- Basis-Infrastruktur: Server, Storage, Backups, Patching â alles von SAP verwaltet
- Standard-Konfiguration: Weniger Customizing erlaubt, mehr "Best Practice"-Fokus als On-Premise
- Zusätzliche Services: Analytics, Integration zu anderen Cloud-Apps, Migration-Unterstützung
- Subscription-Modell: Monatlich/jährlich bezahlen nach Anzahl Named Users oder Transaktionen
Es gibt auch "SAP S/4HANA Private Cloud" â das ist eine Art Hybrid zwischen RISE und On-Premise (SAP hostet es, Sie bezahlen für Rechenleistung), aber das ist weniger verbreitet im Mittelstand.
RISE with SAP: Die Vorteile
1. Keine IT-Infrastruktur-Verantwortung
Server, Storage, Backups, Disaster Recovery, Patches â das alles ist SAPs Aufgabe. Kein Datencenter nötig, keine Hardwarebudgets, kein OS-Patching nachts. Das ist ein groÃer Vorteil für KMU, die keine groÃen IT-Teams haben.
2. Automatische Updates und neue Features
SAP veröffentlicht kontinuierlich Updates ("Quarterly Business Updates"). Sie brauchen nicht selbst zu entscheiden, wann Sie patchen â SAP macht das. Neu, ist: Sie kriegen automatisch die neuesten Features.
3. Schnellere Time-to-Value
Implementierungen mit RISE sind oft 25â40% schneller als klassische On-Premise Projekte. Warum? Die Konfiguration ist weniger komplex (Customizing ist begrenzt), und SAP hat Pre-Built-Integrations zu Cloud-Apps.
4. Hohe Verfügbarkeit und Sicherheit
SAP garantiert typischerweise 99,7%+ Verfügbarkeit. Die Sicherheit ist Enterprise-Grade (Verschlüsselung, Audit-Trails, Compliance für DSGVO, etc.). Für einen Mittelständler ist das schwer zu erreichen on-premise ohne groÃe Investitionen.
5. Transparent kalkulierbar
Sie wissen die Kosten im Voraus (Subscription pro User). Keine versteckten Lizenzkosten, keine Infra-Ãberraschungen. Budgetierbarkeit ist für CFOs ein groÃer Vorteil.
RISE with SAP: Die Nachteile
1. Begrenzte Customizing-Möglichkeiten
RISE folgt dem Motto "Best Practice first, Customizing second". Das heiÃt: Sie können nicht einfach BADI-Module schreiben oder tiefe Konfigurationen vornehmen. Das ist beabsichtigt (nennt sich "Cloud Readiness"), aber es bedeutet: Sie müssen Ihre Prozesse an SAP anpassen, nicht umgekehrt.
Für Unternehmen mit speziellen, eingefleischten Prozessen kann das ein echtes Problem sein.
2. Höhere Langzeit-Kosten
Das Subscription-Modell bedeutet: Sie zahlen monatlich, für immer. Eine typische RISE-Implementierung kostet â¬150.000â300.000 Implementierungs-Kosten + â¬50.000â150.000/Jahr Subscription für einen Mittelständler mit 300â500 Mitarbeitern.
Die Rechnung über 5 Jahre: â¬500.000 + â¬500.000 = â¬1.000.000. On-Premise: â¬1.200.000â1.500.000 für Implementierung, dann nur noch wenig Betriebskosten. Break-Even liegt oft bei 7â10 Jahren für Cloud.
3. Abhängigkeit von SAP
Sie sind an SAP's Upgrade-Zyklus gebunden. Wenn SAP ein Quarterly Update mit Breaking Changes macht, müssen Sie sich anpassen (oder im schlimmsten Fall komplett umsteigen). Mit On-Premise haben Sie mehr Flexibilität, wann und ob Sie upgraden.
4. Performance und Latenz
Wenn Sie hohe Transaktionsvolumen haben (z.B. Fertigung mit 100.000 Buchungen/Tag), kann Cloud-Performance manchmal nicht mithalten. On-Premise mit lokaler Hardware ist oft schneller.
5. Datenresidenz und Compliance
Sensible Daten sind auf SAP-Cloud-Infrastruktur. Für manche Branchen (z.B. Finanzdienstleistungen, kritische Infrastruktur) ist das nicht erlaubt. Auch DSGVO-Anforderungen können komplex werden, wenn Daten in der EU sein müssen.
On-Premise S/4HANA: Die Vorteile
1. Volle Kontrolle und Flexibilität
Sie können BADI, Exits, Custom Fields, komplexe Workflows implementieren. Ihre speziellen Prozesse können eins-zu-eins abgebildet werden. Das ist Gold für Unternehmen mit Differenzierungs-kritischen Prozessen.
2. Unbegrenzte Customizing
Es gibt keine Grenzen. Sie können das System so bauen, wie Sie es wollen. Reporting, Business Logic, Integrationen â alles ist möglich.
3. Bessere Performance für hohe Lasten
Wenn Sie Ihr eigenes Rechenzentrums haben oder Co-Locate mit dediziertem Hardware, können Sie tunen bis zum Erbrechen. Cloud-Umgebungen haben tendenziell "noisy neighbor" Probleme.
4. Daten bleiben lokal
Ihre Daten sind physisch in Ihrem Datencenter (oder lokal gehostet). Das ist für kritische Compliance, Datenresidenz, oder Industrie-Anforderungen wichtig.
5. Langfristig günstiger
Nach 7â10 Jahren haben Sie mit On-Premise signifikant weniger bezahlt als mit Cloud-Subscription.
On-Premise S/4HANA: Die Nachteile
1. Datencenter & IT-Infrastruktur Verantwortung
Sie brauchen: Datencenter (oder Cloud IaaS wie AWS/Azure), Storage, Backups, Disaster Recovery, Patching, Monitoring. Das braucht dediziertes IT-Personal â nicht umsonst, sondern â¬500.000â1.000.000/Jahr für einen Mittelständler.
2. Komplexere Implementierung
On-Premise Projekte dauern oft 18â24 Monate (vs. 12â15 Monate bei Cloud). Der Grund: Mehr Customizing, mehr Testen, komplexere Integration zu bestehenden Systemen.
3. Längere Update-Zyklen
SAP veröffentlicht jährlich neue Support-Enden ("Support Package Stacks"). Sie sind selbst verantwortlich, wann Sie diese einspielen. Viele Unternehmen sind daher mehrere Versionen "hinterher".
4. Wartungs-Overhead
Custom Code muss gepflegt werden. Jedes Update könnte etwas kaputt machen. Das ist ein ständiger Overhead.
5. Skalierbarkeit
Wenn Ihre Geschäfte schnell wächst, müssen Sie Hardware kaufen. In der Cloud skaliert das automatisch.
TCO-Vergleich: 5-Jahres-Analyse
Nehmen wir ein typisches Mittelstands-Szenario: 400 SAP-Benutzer, mittel-komplexe Prozesse (Finance, Supply Chain, aber keine speziellen Fertigungsprozesse).
RISE with SAP - 5-Jahres-TCO
- Implementierung: â¬200.000 (schneller, weniger Customizing)
- Lizenz & Subscription (5 Jahre): â¬400 User/Jahr à 400 User à 5 = â¬1.000.000
- Betrieb & Support: â¬50.000/Jahr à 5 = â¬250.000 (SAP-Partner)
- Integrationen & Customizing: â¬150.000 (über 5 Jahre)
- Hardware/Infrastruktur: â¬0 (in Cloud-Kosten enthalten)
- Total 5-Jahr-TCO: â¬1.600.000
On-Premise S/4HANA - 5-Jahres-TCO
- Lizenz: â¬400.000â600.000 (einmalig)
- Implementierung: â¬400.000â600.000 (länger, mehr Customizing)
- Betrieb (5 Jahre): â¬150.000/Jahr (IT-Personal, Datencenter) à 5 = â¬750.000
- Hardware (Server, Storage, etc): â¬200.000 (einmalig) + Refreshes â¬50.000 in Jahr 3
- Wartung & Support (5 Jahre): SAP-Support â¬30.000/Jahr + Partner â¬40.000/Jahr à 5 = â¬350.000
- Total 5-Jahr-TCO: â¬2.150.000â2.550.000
Fazit aus der TCO: RISE ist über 5 Jahre ca. â¬550.000â950.000 günstiger. Aber die Rechnung ändert sich ab Jahr 6+. Wenn Sie 10 Jahre betrachten, wird On-Premise günstiger, weil die Subscription weiterläuft.
Entscheidungsmatrix: Wann was?
Cloud (RISE) ist besser für Sie, wenn:
- Sie keine groÃen IT-Teams haben und Infrastruktur-Verwaltung minimieren wollen
- Sie schnell (12â15 Monate) live gehen müssen
- Ihre Prozesse relativ Standard sind (Finance, HR, Basic SCM)
- Sie wollen vorhersehbare, transparente Kosten
- Sie plant mit 5-Jahres-Horizont (nicht 10+)
- Sie wollen automatische Updates und neueste Features ohne Aufwand
- Sie haben keine Datenresidenz- oder Compliance-Probleme
- Sie können sich an "Best Practice" Prozesse anpassen
On-Premise ist besser für Sie, wenn:
- Sie spezielle, differenzierungs-kritische Prozesse haben (besondere Fertigung, komplexe Preislogik, etc.)
- Sie volle Kontrolle und maximale Customizing brauchen
- Sie ein starkes IT-Team haben und selbst warten können
- Sie Daten lokal halten müssen (Compliance, Datenresidenz)
- Sie mit >10-Jahres-Horizont planen
- Sie extrem hohe Transaktions-Lasten haben (100.000+ Buchungen/Tag)
- Sie nicht an SAPs Update-Zyklus gebunden sein wollen
- Sie groÃe Integration zu Legacy-Systemen auf Infrastruktur-Level brauchen
Hybrid-Ansätze: Gibt es einen Mittelweg?
SAP Private Cloud
Das ist ein Hybrid-Modell: SAP hostet S/4HANA auf Ihrer Infrastruktur oder einer ihrer Partnern. Sie zahlen für Rechenleistung, nicht für Lizenzen. Das gibt Ihnen etwas mehr Kontrolle als Public Cloud, aber nicht die volle Flexibilität von On-Premise. Noch weniger verbreitet im Mittelstand.
Hybrid Cloud + On-Premise
Sie betreiben S/4HANA mit RISE (Cloud), aber halten Legacy-Systeme und spezialisierte Apps on-premise. Das ist tatsächlich eine realistische Strategie für viele Mittelständler: Cloud für Standard-Prozesse, On-Premise für Spezial-Anforderungen.
Die Migration-Perspektive: Kosten und Aufwand
Wenn Sie bereits ein On-Premise SAP haben (R/3, ECC), ist ein Umstieg zu RISE auch eine Migration. Die Kosten:
- Technical Migration: Database, ABAP Code, Custom Objects hochziehen. Often â¬200.000â500.000
- Custom Code Umschreiben: Cloud akzeptiert nicht alles. Umschreiben oder wegwerfen. â¬300.000â800.000
- Daten Bereinigung: Siehe unser Artikel zu Datenqualität. â¬100.000â300.000
- Testing & Stabilisierung: â¬150.000â400.000
- Total Migration: â¬750.000â2.000.000 (je nach Komplexität)
Daher ist der echte Entscheidungspunkt oft nicht "Cloud oder On-Premise neu?" sondern "Cloud oder On-Premise Upgrade meines bestehenden Systems?". Wenn Sie sowieso migrieren müssen, ist Cloud oft attraktiver. Wenn Sie ein stabiles System haben, ist der Migrate-Aufwand gross.
Praktische Empfehlungen für Mittelständler
Basierend auf unserer Erfahrung mit Mittelstands-Transformationen:
- Für GmbH/KGaA mit 200â800 Mitarbeitern, Standard-Prozesse: RISE with SAP ist oft die bessere Wahl. Schneller, günstiger über 5 Jahre, weniger operativer Overhead
- Für Spezialfertigung, komplexe Logistik, Finanzdienstleistungen: On-Premise bleibt oft notwendig. Customizing ist nicht optional
- Für High-Growth Unternehmen: RISE, weil Sie die Skalierbarkeit automatisch bekommen
- Für Unternehmen mit hohem Datenresidenz-Anforderungen: On-Premise oder SAP Private Cloud
- Für bestehende SAP-ECC Nutzer: Evaluieren Sie die Kosten einer Cloud-Migration vs. S/4HANA On-Premise Upgrade. Oft ist On-Premise Upgrade günstiger, wenn das System noch <5 Jahre Support hat
Key Takeaways
- RISE with SAP: Günstiger über 5 Jahre, schneller Implementierung, weniger Aufwand. Aber: begrenzt Customizing, langfristig (10+ Jahre) teurer, Abhängigkeit von SAP
- On-Premise: Volle Flexibilität, beste Langzeit-TCO, aber mehr Aufwand und Infrastruktur-Verantwortung. Richtig für Spezialfertigung und komplexe Anforderungen
- TCO über 5 Jahre: RISE meist â¬550.000â950.000 günstiger. Ab Jahr 10+ wird On-Premise günstiger
- Die Entscheidung hängt von Ihren Prozessen, Ihrem IT-Team und Ihrem Zeithorizont ab. Es gibt keine universelle Antwort
- Für viele Standard-Mittelständler ist RISE die praktischere Wahl. Schneller, transparenter, weniger Risk
Unsicher über Cloud oder On-Premise?
Wir führen umfangreiche TCO-Analysen und Feasibility-Studies durch und unterstützen CIOs bei der strategischen Wahl zwischen RISE with SAP und On-Premise S/4HANA â mit Fokus auf Ihre Geschäftsanforderungen und langfristigen Ziele.
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